Heute wirds ein wenig chaotisch. Ich frage mich wo ich bin. Wo stehe ich in der Gesellschaft? Wer bin ich – von anderen gesehen?
Ich bin nun fast zwei Monate vegan und mache keinen Hehl daraus. Ich diskutiere mit radikalen Aktivisten, verteidige meine Ernährung, habe bis jetzt aber keine Probleme oder starke soziale und gesellschaftliche Veränderungen wahrnehmen können. Und doch ist da so etwas. Kleine, feine Veränderungen. Die Bekannten fragen nach, aber nicht weil sie etwas wissen wollen, sondern weil sie mich mit Fragen in die Enge drängen wollen. Ich soll mich in meinen Aussagen verstricken. Manchmal habe ich das Gefühl sie wollen dass ich auf die Frage gar nicht antworte sondern mir die Hände gegen die Schläfen pressen soll und ausrufen: “Mann, klar! Wieso bin ich so blöd gewesen und ernähre mich vegan und achte auf die Umwelt, respektiere Tiere und bin trotzdem noch glücklich? Gebt mir Fleisch in Plastiksäcken – möglichst blutig – und genmanipulierten Mais als Beilage, dazu Weißbrot. Und anschließend einen guten, “unfairen” Kakao mit viiiiel Milch.”
Und dann frage ich mich ob ich vielleicht paranoid werde. Jedes Wort in die Wagschale lege, nicht “die anderen” kleine, feine Veränderungen machen, sondern ich selektiere, Aussagen und Fragen durchleuchte. Obwohl ich bewusst tolerant und optimistisch durchs Leben schreite. Vielleicht merken sie auch mein aufgesetztes Lächeln wenn sie mir ins Gesicht sagen dass ihnen mein Essen schmeckt, sie aber viel lieber ein Steak hätten.
Wo stehe ich? Bin weder radikale Aktivistin, noch pessimistische Weltverbesserin…
Ich habe viele neue Leute kennen gelernt. Ja, die meisten davon sind Veganer. Aber nicht alle. Viele sind auch an gesunder Ernährung interessiert, manche dagegen. Und ich habe einige meiner Freunde neu kennen gelernt. Besser oder anders. Und ich habe sicher einige, die sich denken ich habe mich so verändert, dass sie mich nun nicht mehr ernst nehmen können. Für die ich zu verrückt bin. Zu anders.
Vielleicht aber ist es alles zusammen: ich habe mich geändert, mein Umfeld eben nicht. Vielleicht ist es ein neu kennen lernen und akzeptieren. Und die Welt dreht sich noch immer, langsam und stetig.
